
28 Aug. US-Zölle 2025: Auswirkungen auf den Schweizer Immobilienmarkt
Seit dem 1. August 2025 gelten auf Schweizer Exportgüter Strafzölle von bis zu 39 Prozent. Besonders betroffen sind Branchen wie Maschinenbau, Präzisionsinstrumente, Uhren und Teile der Lebensmittelverarbeitung. Während die Diskussionen bislang vor allem die Industrie und Konjunktur betreffen, lohnt sich auch ein Blick auf die Folgen für den Immobiliensektor.
Gewerbeimmobilien: vorerst stabil, langfristig unter Druck
Der Grossteil der industriellen und logistischen Flächen gehört den Unternehmen selbst. Dadurch bleiben die Mieten kurzfristig unverändert, selbst wenn Umsätze sinken. Auf längere Sicht zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Investitionen in Erweiterungen oder Sanierungen werden eher verschoben, und geplante Neubauten geraten ins Stocken. Wer Eigentümer solcher Objekte ist, sollte rechtzeitig prüfen, wie sich die Nutzung flexibel gestalten lässt, um Wertverluste vorzubeugen.
Wohnimmobilien: weniger Tempo, aber kein Einbruch
Ein schwächerer Arbeitsmarkt und geringere Zuwanderung bremsen die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern. Das führt nicht zu sinkenden Preisen, wohl aber zu einer spürbar moderateren Entwicklung. Laut Analysen wirkt sich ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um einen Prozentpunkt mit rund –0,7 Prozentpunkten auf das Preiswachstum von Einfamilienhäusern und mit –0,45 Prozentpunkten auf Eigentumswohnungen aus. Mit anderen Worten: Das Wachstum bleibt positiv, verliert aber an Schwung.
Regionale Unterschiede im Fokus
Nicht alle Regionen sind gleich stark betroffen. Industriestandorte, kleinere Zentren und agrarisch geprägte Gemeinden spüren die Zölle direkter. Finanz- und Dienstleistungsplätze wie Zürich, Basel oder Genf zeigen sich dagegen robuster. Auch touristische Destinationen wie Interlaken oder Graubünden sind weniger abhängig vom US-Handel und behalten daher ihre Stabilität.
Zinsen als Gegengewicht
Die Nationalbank reagierte im Sommer 2025 mit einer Senkung des Leitzinses auf 0 Prozent. Damit bleiben Finanzierungen günstig, was die Nachfrage nach Wohneigentum stützt. Sollte die Konjunktur weiter abkühlen, halten einige Ökonomen sogar erneute Negativzinsen für denkbar, ein weiterer Faktor, der den Immobilienmarkt abfedern würde.
Baukosten und Inflation: kein Preisschock in Sicht
Lieferkettenanpassungen könnten zwar einzelne Materialien verteuern, doch gleichzeitig sorgt die schwächere Nachfrage für Druck nach unten. Die Prognosen bewegen sich deshalb auf tiefem Niveau: Für 2025 liegt die erwartete Teuerung bei 0,2 Prozent, bis 2027 knapp unter einem Prozent. Für Eigentümer bedeutet das Planungssicherheit bei Bau- und Renovationsprojekten, auch wenn Investoren Projekte teils langsamer umsetzen.
Internationale Nachfrage bleibt bestehen
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt die Schweiz für internationale Käufer attraktiv. Luxusobjekte in gefragten Lagen profitieren von anhaltendem Interesse. So registrierte Andermatt allein im ersten Halbjahr 2025 über 1’260 Anfragen aus den USA, doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor.
Abkühlung, aber kein Absturz
Die neuen Zölle wirken wie ein Bremsklotz für die exportorientierte Wirtschaft und schlagen indirekt auf den Immobilienmarkt durch. Während die Dynamik abnimmt und sich Investoren vorsichtiger verhalten, verhindern tiefe Zinsen und die stabile Nachfrage in attraktiven Lagen einen eigentlichen Rückgang. Für Eigentümer gilt: Wer seine Strategie frühzeitig überprüft, sei es durch Modernisierungen, flexible Nutzungskonzepte oder den gezielten Verkauf, kann Risiken mindern und Chancen gezielt nutzen.
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