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Schweizer Eigenheimmarkt: Zwischen Zinsentwicklung und Kaufkraft

Schweizer Eigenheimmarkt: Zwischen Zinsentwicklung und Kaufkraft

Die jüngste Ausgabe der Online Home Market Analysis (OHMA) hat Erstaunliches zutage gefördert: Ein Einfamilienhaus war in der Schweiz durchschnittlich 66 Tage online gelistet, sechs Tage mehr als in der vorangegangenen Erhebungsperiode. Zudem stieg die Anzahl der Anzeigen um etwa zehn Prozent. Diese Daten signalisieren eine starke, landesweite Nachfrage trotz eines Anstiegs der Hypothekenzinsen um fast zwei Prozent und einer allgemein schwächeren Wirtschaftsleistung. Doch eine tiefere Analyse enthüllt signifikante regionale Disparitäten.

 

Erholung und Ausdauer im Markt

Zwischen Q3 2021 und Q2 2022 verzeichnete das Angebot an Einfamilienhäusern zunächst einen Rückgang von 17 Prozent, um sich dann in der aktuellen Periode mit einem Wachstum von 11 Prozent zu erholen. Parallel dazu verlängerte sich die durchschnittliche Vermarktungsdauer von 60 auf 66 Tage. Die Nachfrage hielt sich trotz des schärfsten Anstiegs der Hypothekenzinsen seit drei Jahrzehnten standhaft. Diese Ergebnisse präsentieren Homegate und ImmoScout24 in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Hauseigentümerverband und dem Swiss Real Estate Institute, basierend auf einer Analyse der Inserate mehrerer bekannter Immobilienportale.

 

Marktanalyse durch Expertenaugen

Martin Waeber von der SMG Swiss Marketplace Group sieht in den Ergebnissen einen Beleg für die Robustheit des Marktes für Einfamilienhäuser. Die verlängerte Verweildauer der Anzeigen und das gestiegene Angebot geben Kaufinteressenten mehr Auswahl und Entscheidungsfreiheit. Waeber weist jedoch darauf hin, dass trotz des reichhaltigen Angebots die Finanzierungsfrage zunehmend komplexer wird.

 

Regionale Trends im Detail

Während die Inseratedauer in fast allen elf untersuchten Regionen anstieg, waren die markantesten Veränderungen in der Nordwestschweiz (+51 Prozent) und der Zentralschweiz (+48 Prozent) zu beobachten. Im Gegensatz dazu war das Oberwallis die einzige Subregion, die einen Rückgang der Inseratedauer von 23 Prozent verzeichnete. Interessanterweise bleibt die Inseratedauer in der Romandie und im Tessin nahezu unverändert, obwohl im Tessin die Käufersuche nun durchschnittlich 136 Tage dauert – mehr als dreimal so lange wie in der Region Zürich mit 42 Tagen.

 

Unterschiedliche Nachfragedynamiken

Die Veränderungen bei Inseratedauer und -anzahl erlauben Rückschlüsse auf die Marktnachfrage, die trotz allgemein hoher Resilienz regionale Schwankungen aufweist. Vor allem die Subregion Engadin verzeichnete die deutlichsten Nachfrageeinbrüche, wobei sich die Inseratedauer und das Angebot reduzierten.

 

Nachfrageverschiebungen im Fokus

Eine detaillierte Untersuchung der Gemeindetypen zeigt, dass in sieben von neun Regionen mit ausreichend Daten die Nachfrage in einkommensstarken Gemeinden zunahm, während sie in den suburbanen Gebieten meist sank. Dies könnte mit einem höheren Fremdfinanzierungsanteil in diesen Gebieten zusammenhängen, der sie anfälliger für Zinssteigerungen macht.

 

Standpunkte von Branchenführern

Markus Meier vom HEV betont die anhaltend starke Nachfrage nach Einfamilienhäusern trotz steigender Zinsen und strengerer Regulierungen. Peter Ilg vom Swiss Real Estate Institute merkt an, dass das Risiko einer Immobilienblase möglicherweise überschätzt wurde, insbesondere da die Schweizer Nachfrage unverändert hoch bleibt, im Gegensatz zu anderen Ländern wie Schweden, wo die Eigenheimpreise bereits nachgegeben haben.

 

Überblick und Methodik der OHMA

Die OHMA bietet halbjährliche Einblicke in den Schweizer Immobilienmarkt für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser, basierend auf einer umfassenden Analyse von Inseraten auf wichtigen Immobilienportalen. Die neueste Ausgabe deckt den Zeitraum von Juli 2022 bis Juni 2023 ab und liefert differenzierte Erkenntnisse für acht grosse Regionen der Schweiz.

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